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IAPE - Publikationen:

Serie:  "Pleomorphismologie"  Teil 4
Zeitschrift für Erfahrungsheilkunde 11/97

Enderleins Endobiontenentwicklung
- Bedeutung der Körper - Homöostase -

Homöostase: Grundbedingungen geordneter Funktionen in biologischen Systemen

Der Zustand des Blutes - und hierauf bezieht sich die pleomorphismologisch-diagnostische Wissenschaft in erster Linie - ist wie der Zustand anderer Kompartimente des Körpers für den Befindenszustand eines Menschen von grundlegender Bedeutung. Die komplexen Funktionen des "Netzwerkes Gesamtorganismus" entscheiden über Wohlbefinden oder Krankheit, über Sieg oder Niederlage, z.B. bei der Auseinandersetzung mit mikrobiellen Störfaktoren im Blut (Endobiontenbefall, Bakteriämien, Fungämien, Sepsissituationen).

Insbesondere die naturheilkundliche Komplementärmedizin hat sich in den letzten Jahrzehnten auf der Ebene ganzheitlichen Denkens besonders eingehend mit wissenschaftlichen Fragestellungen und therapeutischen Möglichkeiten des Milieu interne bzw. dessen Störsituationen (z.B. "Dyskrasie" etc.) angenommen.
Aus historischer Sicht jedoch gebührt Claude Bernard ehrenvolle Anerkennung, hatte er doch Mitte des 19.Jahrhunderts - und dieses gegen beträchtliche Widerstände u.a. Pasteurs - mit Nachdruck darauf hingewiesen, welche grundsätzlich biologische primäre Bedeutung dem "Milieu interne" hinsichtlich mikrobieller Entwicklungsmöglichkeiten sowie deren Pathogenitätsfaktoren und Virulenz zukommt. Unzählige Forscher nach ihm konnten die, wenn auch ergänzte und erweiterte Neuerkenntnis, alt-hippokratischer Säftelehre bestätigen und zu ihrem Vorteil nutzen.
Pleomorphismologen hatten und haben sowohl im Bereich ihrer grundsätzlichen Überlegungen im Bereich der Physiologie, wie auch bei der Umsetzung solcher Erkenntnisse im diagnostischen und therapeutischen Bereich pragmatischer Pleomorphismologie des Praxis-Alltags eine Berücksichtigung der Zustandssituationen der Körperhomöostase immer als conditio sine qua non gefordert. Einer der präzisesten Pionierforscher der Pleomorphismologie, WilheIm von Brehmer (1883-1953), beispielsweise entwickelte aus diesem Grunde ein Spezialgerät zur intravasalen Direktmessung des Blut-pH-Wertes ("Hämo-Ionometer nach von Brehmer"). Aber auch Pleomorphismologen der Gegenwart wie Bruno Haefeli in der Schweiz beziehen - wie seinerzeit Bernard, Nebel, Enderlein, von Brehmer etc. - quasi sämtliche Wandlungsmöglichkeiten im Beobachtungsfeld der cyclogenischen Phänomene kausal auf Änderungen des pH-Wertes im Blut, im Gewebe bzw. in den Parenchymzellen.

So ist es in einer Zeit, in der sich Praktiker in zunehmendem Maße um den Säure-Basen-Haushalt ihrer Patienten - und hier in erster Linie meist um chronisch-latente Azidosen - kümmern, auch aus pleomorphismologischer Sicht unverzichtbar, sich mit Fragen der Körperhomöostase in wissenschaftlich sachlicher und umfassender Weise auseinanderzusetzen.

Homöostase - konkret

Homöostase wird als gleichbleibender Zustand definiert ( gr. Homoios = ähnlich. gleich; stasis = Stand. Zustand). Hierbei geht es um eine Zustandsdefinition des Milieu interne. um die Aufrechterhaltung bestimmter Grundbedingungen des Gesamtsystems bzw. abgegrenzter Bereiche dieses Systems (Kreislauf. Atmung, Blut, Darmmilieu etc.). Die Begriffsprägung erfolgte 1929 durch den Bostoner Physiologen Waller B.Cannon (1871-1945, "Notfallsyndrom, Vorläufer des Adaptationsgesetzes nach Selye"). Demnach seien alle Lebewesen auf eine reibungslose Selbstregulation im Sinne eines balancierten Gleichgewichtes saurer wie basischer Valenzen angewiesen. Auch Cannon verwies auf die antike Krankheitslehre der Hippokratiker (Säftelehre), wonach eine unphysiologische Änderung des Gleichgewichtes, "in dem sich die konstituierenden Stoffe oder Prinzipien des Menschen befinden", zur Krankheit führen. 1954 veröffentlichte Lerner seine Forschungsergebnisse über die regulatorischen Sicherungsabläufe der Differenzierungsvorgänge und die Aufrechterhaltung der Differenzierungsunterschiede während der normalen Ontogenese. Homöostatische Regulation ist somit unmittelbar nach der Kopulation von Eizelle und Spermium für eine nornale Entfaltung des neuen Lebens von elementarer Redeutung. Betrachtet man Enderleins Forschungsergebnisse unter diesem Aspekt, so stehen seine Aussagen aus prinzipieller Sicht widerspruchslos in Korrespondenz mit Auffassungen der Gegenwart. Oft neu erscheinende Basiserkenntnisse der Physiologie sind häufig bereits in allen Grundzügen "vorgedacht" oder gar experimentell belegt worden. Enderleins Forschungen führten schließlich zur Formulierung seines sog. "Anartatischen Grundgesetzes". In der Folgezeit haben sich Wissenschaftler unterschiedlichster Fakultäten mit Fragen des Mileu interne bzw. mit der Körperhomöostase und deren regulativen Mechanismen auseinandergesetzt. 1980 listete der schweizer Pathologe Colier in seinem umfassenden zweibändigen Handbuch "Pathogenese" die wichtigsten Wesenszüge der Homöostase bezüglich des menschlichen Energiehaushaltes auf:

1. Sicherstellung einer normalen Glukosekonzentration im Blutplasma.
2. Speicherung der überschüssigen Energieträger in Form von Glykogen und Triglyceriden im Fettgewebe.
3. Möglichst kurzfristige Mobilisierbarkeit der Energieträger aus Glykogen bei erhöhtem Bedarf.
4. Zunehmende Verwendung von Fettsäuren und Ketonkörpern bei Dauerbelastung bzw. bei Versiegen dieser Quellen. Rückgriff auf Aminosäuren vor allem der Muskulatur.
5. Vermeidung unnötiger Energiefreisetzung.

Coliers regulative Wesenzüge der Homöostase beziehen sich somit ausschließlich auf Kriterien der Biochemie. Ganzheitsmediziner der heutigen Komplementärmedizin komplementieren derartige Sektoralbetrachtungen u.a. unter Einbeziehung z.B. der Kybernetik, der Lehre Pischingers (Grundsystem) bzw. bioenergetischer, informativ-kommunikativer fernreichweitiger Vernetzungen im Sinne der fernöstlichen Meridianlehre.
Enderlein hat auf der Ebene eines 1925 existierenden Wissensstandes - der Biochemie erstaunlich komplexe Zusammenhänge zwischen damals vorliegenden Daten der Biochemie und Entwicklungsvorgängen der Bakterien zusammengestellt. Diese Datenlage wurde seinerseits, wie auch später durch von Brehmer, mittels eigener Experimente ergänzt und dadurch erweitert. In seinem Grundlagenwerk "Bakterieneyclogenie" widmet Enderlein homöostatischen Sachverhalten ein entspr. Kapitel (VI: "Conditionelle Faktoren der Cyclogenie"). Neben "Trophomorphosen", "Aeromorphosen", "Photomorphosen", "Elektromorphosen" werden "Chemomorphosen" eingehender erläutert. Hierbei handelt es sich um "diejenigen Erscheinungsformen, deren Entstehung in Einwirkung chemischer Einflüsse" begründet ist. Diese Gruppe kann nach Art der Chemikalien in eine Reihe von Untergruppen zerlegt werden: "Alkalomorphosen" ( = Einwirkungen durch Alkalien), "Oxymorphosen" ( = Einwirkungen durch Säuren), "Halomorphosen" ( = Einwirkungen durch Salze), "Toxomorphosen" ( = Einwirkungen durch Gifte).

Enderleins "Anartatisches Grundgesetz"

Wie bereits angedeutet, nimmt das Interesse an Fragen des Säure-Basen-Haushaltes und damit Fragen und Problemen der Körperhomöostase vor allem im Felde der Praxismedizin seit geraumer Zeit zu - dieses vor allem als Verdienst einer sich zunehmend biologisch-ganzheitlich orientierenden "Informationsmedizin", dieses auch vor dem Hintergrund eines ersten Grundlagenwerkes von Sander ("Der Säure-Basen-Haushalt des Menschen" 1953). Bereits vor ihm hatte der Schwede Ragnar Berg entsprechende Arbeiten veröffentlicht. Nach Collier ( 1989) steht der Säure-Basen-Haushalt "mitten im Zentrum der wichtigsten Stoffwechselfragen, am Schaltpunkt sämtlicher vegetativ gesteuerter Regulationen". Zahlreiche Forscher (Berg, König, Schall etc.) entwickelten umfassende Orientierungslisten im Nahrungsmittelbereich, mit denen man Stoffwechsel-Abdriftungen in Richtung einer Azidose ("Übersäuerung") verhindern kann. Anemüller und Kollath (1995) heben die steigende Zahl latemer Azidosen hervor und fordern die Wissenschaftswelt auf, sich eingehender mit einem ihrerseits erstellten Fragenkatalog auseinanderzusetzen. Auch Gerz, Worlitschek und Bayer (1996) weisen auf die Bedeutung der heute so oft zu beobachtenden latemen Azidose hin. Inzwischen steht nunmehr wieder die Möglichkeit zur Verfügung, mittels eines allerdings praxisgerecht modifizierten Urin-Tests nach Sander, brauchbare Einblicke in den Säure-Basen-Haushalt nehmen zu können und hierdurch Therapiekontrollen zu optimieren (Labor Dr.Bayer, Stuttgart). Witasek et al. ( 1996) beschreiben die dringliche Notwendigkeit der Beachtung der Körperhomöostase aus der Sicht der Lebensverhältnisse des modernen Menschen, bei dem eine Fülle von Faktoren und hier ganz besonders die Ernährung zu Störungen des Säure-Basen-Haushaltes führen können.

Diese Thematik stand immer auch bei Enderlein und anderen Pleomorphismologen im besonderen Blickpunkt des Interesses. Heidbreder und Heidland, Universität Würzburg, fassen unter der Überschrift "elementarer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen" das Kapitel Säure- Basen-Haushalt in Kurzform für Praxisbelange zusammen (1992 DÄB). Lebensvorgänge basieren ganz wesentlich auf Enzymreaktionen, diese sind wie Zellmembranreaktionen, Immunvorgänge etc. vom intra- wie extrazellulären pH-Wert abhängig. Leben bedeutet Energiefluß, Energieaustausch, Energieaufnahme und Energieabgabe. Diese Vorgänge unterliegen strengen biologischen Gesetzen. Von solchen Gesetzgebungen sind Mikroben bzw. die Wechselwirkung zwischen Wirt und Erreger in keinster Weise ausgenommen, worauf Enderlein bereits 1925 und in der Folgezeit mit allem Nachdruck regelmäßig hinwies. Pleomorphismologen überhaupt haben seit nunmehr fast 200 Jahren entspr. Betonungen gesetzt bzw. zielgerichtete Forschungen initiiert und/oder durchgeführt.

Eines der elementaren Gesetze des Lebens ist das sog. "Anartatische Grundgesetz", welches für das Verständnis der Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb mikrobiologisch-cyclischer Formenveränderungen im Rahmen der Enderleinschen Cyclogenie bzw. verschiedenster, vor allem mykologischer Spezies der Lehrmeinungsmedizin unverzichtbar ist.
Wieder einmal zeigt sich, wie häufig aus zunächst prinzipieller Sicht Deckungsgleichheiten der Überlegungen und Resultate wissenschaftlicher Forschungen der pleomorphismologischen Pinonierzeit mit solchen der aktuellen Lehrmeinung sind. Das Anartatische Grundgesetz ist laut Enderlein ein "Abhängigkeitsgesetz, nämlich die gegenseitige Abhängigkeit von einer einzigen der rhythmischen Weiterentwicklung innerhalb der Physiogenie von den übrigen Entwicklungsvorgängen, nämlich von der pH-Entwicklung. Vor allem ist es da die Probaenogebnie, der zyklische Aufstieg der einzelnen Ent- wicklungsstadien zu dem Höhepunkt der betreffenden Mikrobe, zu der Kulminante. Diese Aufwärtsentwicklung ist abhängig von der deszendenten Entwicklung vom pH-Exponent.

Dieser zyklodische Aufstieg löst von der extremen alkalischen Seite des Protites mit einem sehr hohen pH-Wert ein dauemdes Fallen desselben sowohl im Komplex aller Primitivstadien wie auch besonders in dem bakterioformen Zyclodenteil aus. Dieses dauerende Fallen mündet schließlich bei dem Übergang in den mykoformen Zyklodenabschnitt in ein sehr niedriges pH, das sich in einem lebhaften Lebensbedürfnis von sauren Nährmedien und in der Fähigkeit der mykoformen Zyklodenstadien auswirkt. Bedauerlichenveise liegen dem Archiv der IAPE keinerlei detaillierte Aufzeichnungen experimenteller Modalitäten vor. Die vorhandene Enderlein-Literatur läßt nicht erkennen, auf welche Kompartimente Enderlein die Grundgegebenheiten seines Gesetzes bezieht. Es bedarf der wissenschaftlichen Prüfung, in welcher Weise das Anartatische Grundgesetz z.B. extra- bzw. intrazellulär, extra- bzw. intravasal zur Wirkung kommt, dabei reduzieren sich Fragestellungen auf sehr einfache Prüfpunkte: lassen sich z.B. bestimmte Spezies in ihren mikrobiellen Wuchsformen auf geeigneten Nährböden durch systematische pH-Wertveränderungen derartig "probaenogenetisch" beeinflussen, daß sich kokkenförmige Einzeller (Enderleins "Mychite") zu Myzelformen wandeln können? Ein derartiges mikrobiologisches Weltbild gilt aus der Sicht der Lehrmeinungsmedizin bzw. Lehrmeinungsmikrobiologie heute als undenkbar. Zum Teil beträchtliche phänotypische Veränderungen sind jedoch innerhalb einer genetisch determinierten Art je nach Milieubedingungen akzeptiert. Mykologische Lehrbücher dokumentieren diese Lebenserscheinungen in besonders beeindruckender Weise.

 

Glossar
Cyklogenie:
aus Cyklostadien bestehender, kreisförmiger Entwicklungsgang bestimmter Mikroorganismen (z.B. "Endobionten" Enderleins). Dabei kann je nach Milieubedingungen eine Pilzkulminante erreicht werden. Die Rückentwicklung findet als Zerfall (Arthrogenie) statt, wobei wieder niedrige Entwicklungsformen auftreten (Kreisschluß).

Cyclode:
einmalig durchlaufener Entwicklungsgang des Enderleinschen "Ursymbionten"

Kulminante:
höchster Entwicklungspunkt eincr Cyclode

Mychit:
Im Rahmen der Aufwärtsentwicklung endocytobiontischer Symbionten entstehende "Urzellform", quasi ein Einzeller, der kokkoiden Wuchsformen der Lehrmeinungsmedizin entspricht

Pleomorphismus:
Naturphänomen. Formenvielfalt in der Mikrobiologie

Pleomorphismologie:
Begriffseinführung J. Dumrese ( 1996). Lehre, welche sich mit den Phänomenen des Pleomorphismus befaßt und daraus therapeutische Verfahren ableitet

Literatur:
Anemüller, H., Kollath, W: Die Bedeutung des Säure-Basen-Haushaltes in der Naturheilkunde. Ärztezschr. f. Naturheilverfahen 6 (1992) 501-508.
Dumrese, J., Haefeli, B.: "PIeomorphismus". Handbuch. Haug Verlag, Heidelberg (1996).
Enderlein, G.: "Bakterien-Cyclogenie.' Neuaufl. Semmelweis Verlag, Hoya (1980).
Enderlein, G.: Akmon-Hefte. IBICA-Verlag 1957. Heft 1, 2 und 3. Nunmehr erhältlich bei: Semmelweis Verlag, Hoya.
Gerz, W, Worlitscheck, M., Bayer, W.: Säure-Basen-Haushalt in der Praxis. Naturheilpraxis 5 (1997) 738-748.
Heidbreder, E., Heidland, A.: Störungen des Säure-Basen-Haushaltes - Elementare diagnostische und therapeutische Maßnahmen. DÄB 89, 38 (1992) A1-3032-3040.
Witasek, A. et al.: Einflüsse von basischen Mineralsalzen auf den menschlichen Organismus unter standardisierten Emährungsbedingungen. Erfahrungsheilkunde 8 (1996) 477-489.

Verfasser des Artikels:
Autorenteam der Internationalen Akademie für Pleomorphismologie und Endocytobiologie, Schloß Weißenstein (1996 - 1999).

Korrespondenzadresse:
Dr. Jost Dumrese
, Klaus Janus, Institut für angewandte Pleomorphismologie und Endocytobiologie - IAPE, Kreuzstr. 79, 73730 Esslingen Tel: 0711- 318992, Fax: 3180667, e-mail: sekretariat@iape.de, Internet-Homepage: www.iape.de



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